Presserat präsentiert neue Bestimmung zum Opferschutz und Fallstatistik für 2018

Politik

Neue Bestimmung zum Opferschutz

Der Trägerverein des Presserats nahm in seiner gestrigen Sitzung einen neuen Unterpunkt 5.4 in den Ehrenkodex für die österreichische Presse auf, der folgendermaßen lautet: „Auf die Anonymitätsinteressen von Unfall- und Verbrechensopfern ist besonders zu achten. Die Identität eines Opfers kann insbesondere dann Preis gegeben werden, wenn dazu eine amtliche Veranlassung vorliegt, wenn das Opfer eine allgemein bekannte Person ist oder das Opfer bzw. nahe Angehörige in die Preisgabe eingewilligt haben.“ Gerade im Hinblick auf die Serie an Frauenmorden seit Jahresbeginn sendet der Presserat damit ein deutliches Signal an die Medien, den Opferschutz ernst zu nehmen.

Fallstatistik 2018

Der Presserat zog bei seiner heutigen Jahrespressekonferenz Bilanz für das Jahr 2018. Die Senate des Presserats behandelten im Vorjahr insgesamt 302 Fälle, in 30 Fällen stellten sie Verstöße gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse fest. Drei Ethikverstöße wurden als geringfügig eingestuft und daher bloß „Hinweise“ ausgesprochen. Nachfolgend die Fallzahlen 2018 für einzelne Medien und in Klammer dazu jeweils die medienethischen Verstöße: „Kronen Zeitung“ 75 Fälle (15), „Österreich“ 34 (5), „Wochenblick“ 8 (2), „Heute“ 19 (2), gefolgt von „alles roger?“ und „Zur Zeit“ mit jeweils einem Fall und einem Verstoß. In sechs Fällen wurden die Senate eigenständig aktiv; dabei wurden drei Ethikverstöße festgestellt.

Medienethische Entscheidungen des Jahres 2018

Die meisten Ethikverstöße betrafen Persönlichkeitsverletzungen (Punkt 5 des Ehrenkodex), einige auch Diskriminierungen von Personengruppen (Punkt 7 des Ehrenkodex).

Zu den Persönlichkeitsverletzungen zählten u.a. ein manipuliertes Bild des grünen EU-Abgeordneten Michel Reimon während einer Demo in Salzburg („krone.at“); ein Artikel eines angeblichen „Österreich-Netzwerks“ von George Soros („alles roger?“); die falsche Verdächtigung eines afghanischen Lehrlings, Islamist zu sein („Kronen Zeitung). Zudem missbilligte es der Presserat, dass mehrere Zeitungen in zahlreichen Fällen Porträtbilder von Mordopfern veröffentlichten.

Als Diskriminierungen werteten die Presseratssenate z.B. eine Artikelserie auf „wochenblick.at“, in dem die Flüchtlingssituation in Schweden willkürlich aufgebauscht und verzerrt wurde; die Bezeichnung „Ungeziefer“ für Einbrecher („Krone Extra“); die bloße Spekulation, dass eine Gruppe von Vergewaltigern Roma und Sinti sein könnten („zurzeit.eu“).

Eine weitere wichtige Entscheidung betraf den Suizid von DJ Avicii. Der Presserat stellte fest, dass auf den Online-Webseiten „heute.at“, „krone.at“ und „oe24.at“ der Suizidhergang viel zu genau geschildert wurde. In der Entscheidung wurde darauf hingewiesen, dass die Berichterstattung über Suizide große Zurückhaltung gebietet, nicht nur aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, sondern auch wegen der Gefahr, dass andere suizidgefährdete Personen auf ähnliche Weise Suizid begehen.

Darüber hinaus verstieß die Veröffentlichung eines Imagevideos von „Ikea“, das in die Online-Berichterstattung eingebaut und nicht gekennzeichnet wurde, gegen das Prinzip, Werbung von redaktionellen Inhalten zu trennen („nachrichten.at“, „trend.at“).

Keinen Ethikverstoß stellte der Presserat bei der Schlussfolgerung des Falter-Chefredakteurs Florian Klenk fest, dass eine Anfrage des Generalsekretärs des BMI beim BVT zu Ermittlungen im Burschenschaftermilieu parteipolitisch motiviert sein könnte. Auch eine vernichtende Restaurantkritik über ein Gasthaus in Wien wurde nicht als Ethikverstoß angesehen („Der Standard“).

Im Rahmen der Pressekonferenz wurde auch noch auf zwei neue Senatsmitglieder hingewiesen: Anita Kattinger („Kurier“, Senat 2) und Christian Uchann („Bezirksblätter Burgenland“, Senat 1).

Den Tätigkeitsbericht 2018, in dem einige der oben genannten Fälle genauer beschrieben werden, sowie eine detaillierte Fallstatistik finden Sie unter www.presserat.at.

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